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Mittwoch, 06.04.2005

Haemobartonellen

Feline infektiöse Anemie
oder Haemobartonellosis
oder Hämobartonellose
oder Feline hemotropic mycoplasmosis
durch
alter Name und Einordnung:
Haemobartonella felis (Rickettsiales felis),
neuer Name und Einordnung:
Haemobartonella felis große Form (Ohio Isolierung) jetzt: Mycoplasma haemofelis
Haemobartonella felis kleine Form (California Isolierung) jetzt: Mycoplasma haemominutum

Bakterieller parasitärer Befall der Roten Blutkörperchen der Katze.

Übertragung möglich via Flöhe, Plazenta, oral, Bluttransfusion, Injektionen.
Besonders gefährdet: Freigänger (Flöhe, Kampf), FeLV positive Katzen, Katzen mit gestörtem Imunsystem, Katzen die schon mit einer anderen Krankheit kämpfen.

Nachweis durch Tests:
schwierig, da die Erreger intervallartig auftreten (die Anzahl kann innerhalb von 3 Stunden zwischen 90 und 1 % schwanken) und daher im Ausstrich nicht sichtbar sein können.
Sie können nicht kultiviert und somit nicht aus einer Blutprobe isoliert werden.
PCR (polymerase Kettenreaktion) kann positiv sein, bevor Erreger im Ausstrich zu sehen ist oder bevor klinische Anzeichen einer Infektion erkennbar sind und bleibt positiv bis zur Eliminierung des Bakteriums. Mittels PCR ist also sehr frühzeitig ein Befall feststellbar!
Eine Aussage über akut oder chronisch läßt sich mittels IGM IGG erstellen.
Retikulozytenzahl unterscheidet regenerative und nicht-regenerative Anämie
Ein FeLV Test sollte erfolgen.

Mögliche Anzeichen:
blaße bis gelbe Schleimhäute, Schwäche, möglicherweise Fieber, Abmagerung, schlechte Durchblutung, kalte Extremitäten, Schock, reduzierte Aktivität, erhöhter Herzschlag bis "Herzrasen", Austrocknung, Katze leckt Ytong Steine / Tontöpfe / Beton ... (um ihren Eisenmangel auszugleichen)

Verlauf
Eine infizierte Katze ist damit beschäftigt, infizierte rote Blutzellen mit Antikörpern zu umgeben, sie werden dann über die Milz aus dem Blutkreislauf entfernt. Das Eisen der abgestorbenen Zellen wird für neue rote Blutkörperchen verwendet. Da soviele Rote Blutkörperchen zerstört werden, wird die Katze anämisch. Normalerweise ragiert das Knochenmark mit erhöhter Nachproduktion Roter Blutkörperchen (über Bluttest - Reticulozytenzahl erkennbar), bei Katzen die mit dem felinen Leukämie Virus infiziert sind verhindert dieser Virus die Nachproduktion.
Hat die Katze die Erkrankung überstanden, kann Streß die Infektion reaktivieren!
Nach überstandener Infektion sollte in regelmäßigen Abständen auf einen erneuten Ausbruch getestet werden.

M. haemofelis scheint pathogener (Krankheiten erregend o. verursachend!) als M. haemominutum. M. haemominutum scheint auschließlich ein Problem bei Katzen zu sein, die mit dem felinen Leukämievirus infiziert sind. (Quelle: http://www.marvistavet.com/html/body_feline_infectious_anemia.html)
Eine Infektion mit beiden Formen ist möglich.
Normalerweise ist die durch Hämobartonellen verursachte Anämie regenerativ (regenerative Haemolytische Anaemie), kann aber auch chronisch werden (sekundäre, immun-bedingte Haemolytische Anaemie: Antikörperbildung infolge Krankheiten/Zustände).
Befall scheint das Risiko für Knochenmarkkrebs zu erhöhen.

Behandlung:
Abtötung der Hämobartonellen durch Antibiotika
Doxycyclin, alternativ Enrofloxaxin mindestens 3 Wochen
und
Unterdückung des Imunsystems, mittels Kortison
Prednisolon / Prednisone / Dexamethason ausschleichen über Wochen / Monate
Grund:
Vorbeugung -
a) da Hämoplasmose und primäre, nicht regenerative Anämie schwer auseinander zu halten sind.
b) das eigene Imunsystem befallene Roten Blutkörperchen abtötet und sie schnellstens enfernt. Eine schwere Anämie ausgelöst durch Hämobartonellen bedeutet es kann fast jede Zelle befallen sein. So schnell kann nicht nachproduziert werden, wie abgetötet und abtransportiert wird.
(zur Verhinderung der Erythrozyten Phagozytose)

Sehr kranke Katzen : Flüssigkeitstherapie, Sauerstoffzufuhr bei Narkosen (z.b. für Sono), Bluttransfusion.

Die Verwendung Arsen basierender Medikamente (Thiacetarsemide Sodium) ist in vielen Ländern nicht mehr erlaubt und ist weniger effektiv als Gabe von Tetracyclinen. (Merck&Co., Inc 2003) http://www.merckvetmanual.com/mvm/htm/bc/10405.htm


Ernährung zur Gewichtszunahme: z.B. a/d (Hills), High Calorie (Iams), Concentration Diet (Waltham)

Prognose: je füher die Diagnose gestellt wird um so besser.
Von Spontanheilungen wird berichtet, normalerweise sterben 1/3 der Tiere unbehandelt.

Übertragbar auf Menschen? Nein
Und der Hund? Mycoplasma haemocanis und M haemofelis sind sehr ähnlich (> 99%), aber nicht identisch.


Zur Medikation:
Doxycyclin, Oxytetrazyklin sind Antibiotika der Tetracyclin Familie.
Zu Doxycyclin Wechselwirkung mit anderen Medikamenten:
Magensäurebindende Mittel, Eisenhaltige Vitaminzusätze unbedingt ein paar Stunden (mind. 2) später eingeben! Das in beiden meist enthaltene Calcium behindert die Absorbierung - die Medikamente verlieren an Wirkung!
Zu Doxycyclin Wirkung:
Bakterien werden nicht getötet, nur ihre Reproduktion unterbrochen. Das eigene Imunsystem muß aktiv sein - es ist möglicherweise nicht das beste Medikament, wenn das eigene Imunsystem geschädigt ist
Zu Oxytetrazyklin
weitverbreitete Resistenzen - vorher abklären ob der Erreger noch darauf anspricht!
Bei Leber- und Nierenschäden niedriger dosieren.
Katzen vertragen orale Medikation nicht gut
auch hier: s.o. Calcium Bindung veringert Wirkung

Enrofloxaxin (Handelsname für Tiere: Baytril, für Menschen: Ciprobay) gehört zu den Fluorochinolonen
Nicht bei Niereninsuffienz zu verwenden
Bindung an Calcium und Eisenpräparate schränken Wirkung ein (s.o.)
Auch hier: Resistenzen möglich

Quellen (u.a.)
für Angaben zu Doxycyclin, Enrofloxaxin, Oxytetrazyklin : http://www.marvistavet.com (english)
http://www.vetpharm.unizh.ch
zu Thiacetarsemide Sodium:
http://www.merckvetmanual.com/mvm/htm/bc/10405.htm
weitere Quellen
Feline Infectious Anemia / Hämobartonellen
http://www.marvistavet.com (english)
http://www.vin.com/VINDBPub/SearchPB/Proceedings/PR05000/PR00111.htm (english)
http://www.dcavm.org/03nov.html (english)
http://www.merckvetmanual.com/mvm/htm/bc/10406.htm (english)

LABOKLIN versendet auf Anfrage ein pdf (eine Seite) , Inhalt zur Zeit auch hier: http://www.t-klinik.de/de/kat.php?k=85

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